Anhidrosis und Hyperthermie (aus der UAW-Datenbank der AkdÄ)

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) weist am 6. August 2007 auf Anhidrosis und Hyperthermie bei einem 4jährigen Kind hin, das wegen fokal-partiellen Krampfanfällen auf dem Boden einer tuberösen Hirnsklerose (Bourneville-Pringle Syndrom) mit 100 mg/Tag Topiramat (Topamax®) behandelt wurde.

Topiramat wird als Antikonvulsivum zur Monotherapie einer Epilepsie bei Erwachsenen und Kindern ab zwei Jahren sowie zur Zusatztherapie bei fokalen Anfällen, primär generalisierten Anfällen und beim Lennox-Gastaut Syndrom (myoklonisch-astatische Epilepsie) angewendet. Als Mittel der zweiten Wahl ist Topiramat auch zur Migräneprophylaxe bei Erwachsenen seit 2005 zugelassen. Die Verordnungszahl war im Jahre 2005 mit 3,8 Mio. DDD gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent gesteigert. Unter der Therapie kam es bei dem Kind zu rezidivierendem Fieber bis 40 °C. Ein Schweißprovokationstest verlief negativ. Laborchemisch wurde eine kompensierte metabolische Azidose festgestellt. Bei schrittweiser Dosisreduktion und Ersatz von Topiramat durch Levitiracetam klang die Symptomatik ab.

Im deutschen Spontanmeldesystem (gemeinsame Datenbank von AkdÄ und BfArM) sind derzeit 688 UAW-Verdachtsfälle zu Topiramat gemeldet, davon beziehen sich 15 Fälle auf Fieber, ein weiterer Fall beschreibt eine Anhidrosis bei einem zweijährigen Kind. Störungen der Schweißsekretion und damit Erhöhungen der Körpertemperatur sind bekannte Nebenwirkungen von Topiramat, die auch in der Fachinformation genannt werden. Sie betreffen häufiger Kinder als Erwachsene.

Vermutlich liegt die Ursache in einer Hemmung der Carboanhydrase in Schweißdrüsen. In ähnlicher Weise hemmt auch Zonisamid (Zonegran®) die Carboanhydrase. Möglich erscheint nach neueren Befunden auch eine verminderte Expression eines Wasserkanal-Proteins, des Aquaporin-5, das in den Zellmembranen den Wassertransport regelt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Aufklärung der Patienten und gegebenenfalls ihrer Eltern über die verminderte Schweißsekretion, die erhöhte Körpertemperatur sowie die Notwendigkeit ausreichender Flüssigkeitszufuhr.

Dies gilt besonders bei erhöhter Außentemperatur und sportlicher Betätigung. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn andere Substanzen eingesetzt werden, die ebenfalls eine Hemmung der Carboanhydrase bewirken können, wie Zonisamid und Sultiam (Ospolot®).

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PZ 32/07