Donepezil (Aricept®): AV-Block und ventrikuläre Tachykardie
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) berichtet am 26.Oktober 2007 von einem 82-jährigen Patienten , der nach einmonatiger Einnahme von täglich 10 mg Donepezil mit Schwindel und Synkope stationär aufgenommen werden musste. Weitere Arzneimittel wurden nicht eingenommen. Eine kardiale Vorerkrankung bestand nicht. Bei der Aufnahme lag der Blutdruck bei 100/60 mmHg, die Herzfrequenz bei 35/min. Im EKG zeigte sich ein kompletter AV-Block und nicht anhaltende ventrikuläre Arrhythmien. Durch zeitweilige Versorgung mit einem Schrittmacher und intensivmedizinische Überwachung trat am 4. Behandlungstag eine Normalisierung des Sinusrhythmus ein.
Bradykarde Herzrhythmusstörungen nach Gabe von selektiven reversiblen Cholinesterasehemmstoffen zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz sind häufiger beobachtet worden.
Die gemeinsame Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und AkdÄ (Stand: Juni 2007) verzeichnet 345 Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen von Donepezil. Es liegen 133 Meldungen zum Stichwort "Herzerkrankungen" vor, elfmal wird von Schwindelgefühl und 29-mal über Synkopen berichtet. Elfmal werden AV-Blockierungen unterschiedlichen Grades im Zusammenhang mit der Einnahme von Donepezil genannt, und in sechs Fällen wird ein Herzstillstand berichtet.
Auch für die beiden anderen Cholinesterasehemmer Galantamin und Rivastigmin existieren in der Datenbank Berichte über bradykarde Herzrhythmusstörungen.
Donepezil weist eine relativ lange Halbwertszeit von 50-70 Stunden auf. Daher können Arrhythmien erst einige Zeit nach Einnahmebeginn auftreten, aber auch für längere Zeit nach dem Absetzen persistieren. In der Fachinformation wird auf die Gefahr der cholinergen Wirkung, insbesondere für Patienten mit Sinusknotensyndrom oder anderen supraventrikulären Erregungsleitungsstörungen des Herzens oder bei gleichzeitiger Einnahme bradykardieauslösender Arzneimittel hingewiesen. Regelmäßige Puls- und gegebenenfalls EKG-Kontrollen sind vor allem zu Beginn der Therapie anzuraten.
Von Donepezil wurden 2005 15,5 Mio. DDD verordnet, mit stark steigender Tendenz wie bei den anderen Cholinesterasehemmern Galantamin (Reminyl®) und Rivastigmin (Exelon®). Auch wenn nach 6-monatiger Behandlungsdauer ein geringer, aber statistisch signifikanter positiver Effekt von Donezepil auf kognitive Leistung, globales Arzturteil und Alltagskompetenz belegt wurden, bleibt eine positive Beeinflussung von Pflegebedürftigkeit und Progression der Alltagsbeeinträchtigung umstritten.
Meldungen zu unerwünschte Arzneimittelwirkungen teilen Sie uns bitte per Berichtsbogen mit.
PZ 44/07