Macrogol: schwere Hyponatriämien

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) weist am 28. Juli 2006 auf schwere Hyponatriämien unter Darmreinigung mit dem osmotisch wirkenden Laxans Macrogol 3350 (zum Beispiel Endofalk®, Klean-Prep®) hin.

Macrogol 3350 wird mit den zugesetzten Elektrolyten Natrium und Kalium sowie Geschmacksstoffen als isotone Lösung getrunken zur Vorbereitung einer hohen Koloskopie. Zunehmend wird es auch angewendet bei chronischer Obstipation beispielsweise bei Tumorpatienten unter Opioidtherapie.

Die AkdÄ berichtet von zwei 62- und 69-jährigen Patientinnen, die während der Koloskopievorbereitung nach Einnahme von 2-3 Litern der Macrogollösung in eine schwere Hyponatriämie (110-121 mmol/l) gerieten. Vorausgegangen war mehrmaliges Erbrechen, das den Natriumverlust ursächlich verstärkte. Eine Begleitmedikation bestand nur in einem Fall durch einen Betarezeptorenblocker und war nicht der Grund für die Hyponatriämie. Durch die Hyponatriämie kam es zu Verwirrtheitszeichen, Stupor, Krampfanfällen, zerebralem Koma und Hirndruckzeichen. Der Elektrolytausgleich darf in solchen Fällen durch Infusion nur langsam und kontrolliert erfolgen, um nicht ein Zellödem auszulösen. Massive Hyponatriämien sind unbehandelt lebensbedrohlich. Als Risikopatienten gelten jene, die Begleiterkrankungen wie Nieren- und Herzinsuffizienz aufweisen oder unter der Therapie mit Diuretika oder Antidepressiva vom Typ der selektiven Serotonin-Rückaufnahme-Inhibitoren (zum Beispiel Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram) stehen. Bei diesen Risikogruppen sind unter der Therapie mit Macrogol Elektrolytkontrollen angezeigt.

PZ 31/06