Missbrauch von Diphenhydramin durch Jugendliche

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die AMK mit Schreiben vom 30. Juli 2007 informiert, dass aufgrund einer Meldung Hinweise auf die missbräuchliche Einnahme von Diphenhydraminhaltigen Fertigarzneimitteln durch Jugendliche zur Erzeugung von Rauschzuständen vorliegen. Die Beschaffung durch die Jugendlichen erfolgte jeweils in Apotheken.

Der AMK liegen im Zeitraum 1.1.2004 bis 31.7.2007 fünf Fallberichte zum Missbrauch von Diphenhydramin vor, davon ein Fall mit Todesfolge. Keiner dieser Fälle betraf Jugendliche. Erfahrungsgemäß muss bei der Meldung von Arzneimittelrisiken bei apothekenpflichtigen, nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden. Obwohl der Mengenverbrauch nicht verschreibungs-pflichtiger Arzneimittel beachtliche Höhen erreicht, gehen zu freiverkäuflichen Arzneimitteln vergleichsweise selten Meldungen bei der AMK über die missbräuchliche Verwendung ein. Dies gilt besonders, wenn die betreffenden Arzneistoffe bereits Jahrzehnte gebräuchlich sind und sich eine Tendenz zur Bagatellisierung dieser Arzneimittel bemerkbar macht. Besondere Vorsicht bei der Abgabe ist geboten, wenn Jugendliche Arzneimittel in der Apotheke verlangen, die zentralnervöse Wirkungen auslösen, da dann der Verdacht auf missbräuchliche Verwendung unmittelbar gegeben ist. Dieser Verdacht gilt verstärkt bei der Bestellung größerer Mengen. Manche Hersteller geben an, dass Diphenhydraminhaltige Sedativa nicht bei Kindern unter 12 beziehungsweise 14 Jahren angewendet werden sollen.

In Internetforen wird für die Erzielung eines Diphenhydramin-Trips eine Anfangsdosis von ungefähr 300 mg (entspricht 6 handelsüblichen Diphenhydramin-Tabletten) empfohlen, aber auch Dosishöhen von bis zu 1500 mg genannt. (1)

Bei Monovergiftungen durch Diphenhydramin wurde auf der Grundlage von 282 Fällen eine geringergradige Symptomatik (Somnolenz, Mydriasis, Mundtrockenheit, Flush Fieber) bei Dosierungen höher als 0,3 g beobachtet. Mittelgradige Symptome (Erregung, Verwirrtheit, Halluzinationen, EKG-Veränderungen) wurden oberhalb von 0,5 g gesehen und schwerwiegende Symptome (Delir, Psychose, Krampfanfälle und Koma) traten oberhalb von 1,0 g Diphenhydramin ein. (2)

Die Blutspiegel von Diphenhydramin lagen bei Monointoxikation mit tödlichem Ausgang ungefähr zwischen 2,8 µg/ml und 119 µg/ml, bei Vorliegen von Polyintoxikationen zwischen 0,3 und 119 µg/ml. (3)

Eine altersabhängige Aufschlüsselung letaler Blutspiegel von Diphenhydramin bei Monointoxikationen ergab folgende gerundete Mittelwerte: Erwachsene (n=20) 16 µg/ml, Kinder (n=13) 6 µg/ml, Säuglinge (n=8) 2 µg/ml. (4)

Diphenhydramin hat als Antihistaminikum der ersten Generation zwar eine starke sedierende Wirkung, kann aber auch eine erregende Wirkung auf das Zentral-nervensystem ausüben, ferner Euphorie sowie akustische und optische Halluzinationen. Das Bild der Vergiftung ähnelt aufgrund der anticholinergen Wirkung des Diphenhydramins einer Atropinvergiftung mit unter anderem Erregung, Ataxie, Mydriasis, gerötetem Gesicht, Mundtrockenheit, trockener Haut, Fieber, Tachykardie und Krampfanfällen. Die Therapie ist symptomatisch.

Die AMK bittet um besondere Beachtung bei der Abgabe von Diphenhydraminhaltigen Arzneimitteln im Handverkauf.

Meldungen zu Missbrauchsfällen senden Sie bitte zusammen mit einem Berichtsbogen an uns ein.

Literatur:

http://dudel.clansmiley.com/dph-faq.pdf

2  Radovanovic D, Meier PF, Guirguis JP, Lorent H, Kupferschmidt (2000) Dose-dependent toxicity of diphenhydramine overdose. Hum Exp Toxicol 19: 489-495

3 Pragst F, Herre S, Bakdash A (2006) Poisonings with diphenylhydramin -  a survey of 68 clinical and 55 death cases. Forensic Sci Int 161: 189-197

4 Nine JS, Rund CR (2006) Fatality from diphenhydramine monointoxication: a case report and review of the infant, pediatric, and adult literature. Am J Forensic Med Pathol 27: 36-41

PZ 32/07