Tödliches Leberversagen nach Amoxicillin/Clavulansäure
In einer Meldung vom 6. April 2007 zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) auf ein akutes Leberversagen mit Todesfolge bei einer 75-jährigen Patientin hin, die wegen einer Bronchitis mit der Kombination Amoxicillin/Clavulansäure behandelt worden war.
In der Vorgeschichte lag eine passagere Erhöhung der Leberenzyme unklarer Genese ein halbes Jahr früher vor. Die stationäre Aufnahme erfolgte wegen Ikterus und erhöhter Leberwerte. Die histologische Untersuchung des Leberparenchyms zeigte das Bild einer toxisch-medikamentösen Schädigung. Im Verlauf erhöhte sich das Bilirubin von 11,6 mg/dl bis auf 29,7 mg/dl und aufgrund einer Hypalbuminämie traten Ödeme auf. Die sonographischen Aufnahmen ergaben eine sich rasch verkleinernde Leber. Ein Therapieversuch mit Prednisolon blieb erfolglos. Die Patientin verstarb im septischen Kreislaufversagen. Andere Arzneimittel außer Amoxicillin/Clavulansäure konnten als Auslöser ausgeschlossen werden.
Die gemeinsame UAW-Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und AkdÄ weist 459 UAW-Verdachtsfälle nach Amoxicillin/Clavulansäure auf, hiervon bezogen sich 85 Fälle auf Leber- und Gallenerkrankungen. In 35 Fällen wird von einer Hepatitis, in 13 Fällen von einer Cholestase und in sieben Fällen von Leberversagen berichtet.
Die AkdÄ weist auf eine Untersuchung zu arzneimittelinduzierten Leberschäden in Spanien im Jahre 2005 hin, bei der die Kombination Amoxicillin/Clavulansäure das am häufigsten angeschuldigte Arzneimittel war. Als Risikofaktoren gelten männliches Geschlecht, höheres Lebensalter und längere Therapiedauer, weniger bedeutsam scheinen jedoch vorbestehende Lebererkrankungen zu sein. Die Symptomatik kann verzögert auftreten, in einigen Fällen erst drei bis vier Wochen nach Absetzen des Antibiotikums. Als potentiell lebertoxische Substanz wird die Clavulansäure angesehen, da unter Monotherapie mit Amoxicillin nur sehr selten Leberschäden beschrieben wurden. Die Empfehlung der AKdÄ lautet, dass die Anwendung von Amoxicillin/Clavulansäure bei Patienten mit vorbestehender Leberfunktionsstörung und bei Patienten ab 60 Jahren nur mit großer Vorsicht erfolgen sollte. Bei einer Verschlechterung der Laborwerte sollte die Therapie abgebrochen werden. Eine Kontraindikation stellt eine frühere Leberfunktionsstörung unter Amoxicillin/Clavulansäure dar.
Clavulansäure erweitert durch Hemmung der Betalaktamase das antibakterielle Spektrum von Amoxicillin um Betalaktamase-bildende Bakterienstämme. Die Kombination beider Wirkstoffe wurde im Jahre 2005 mit 4,8 Mio. DDD verordnet.
PZ 16/07